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Verleihung des ersten Nachhaltigkeitspreises 

Während des ersten Nachhaltigkeitskongresses der Stadt Nürnberg am 11. März 2003 auf der NürnbergMesse vergab Oberbürgermeister Ulrich Maly auch erstmals den mit 4000 € dotierten Nachhaltigkeitspreis.

Stolzer Gewinner wird die Faber-Castell AG aus Stein, ihres Zeichens weltgrößter Bleistift- und Buntstiftproduzent.

Übergabe des Nachhaltigkeispreises durch Oberbürgermeister Dr. Maly an Graf von Faber-Castell Der Oberbürger der Stadt Nürnberg Dr. Ulrich Maly (links) übergibt den Nachhaltigkeitspreis an
A. W. Graf von Faber-Castell (rechts)

Über Anerkennungsurkunden freuen sich "Die Möbelmacher" aus Unterkrumbach und die "Neumarkter Lammsbräu" aus der Oberpfalz.

Die Preisträger: Dr. Franz Ehrnsperger (Neumarkter Lammsbräu), Herwig Danzer (Die Möbelmacher) und A.W. Graf von Faber-Castell (rechts - Faber-Castell AG)

Die Preisträger: 
Dr. Franz Ehrnsperger (Neumarkter Lammsbräu), Herwig Danzer (Die Möbelmacher) 
und A.W. Graf von Faber-Castell (rechts - Faber-Castell AG)

Die Messlatte für den erst im April 2002 vom Nürnberger Stadtrat ins Leben gerufenen Wettstreit zur Förderung Nachhaltigen Wirtschaftens hing hoch:

Herausragendes Engagement für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Nürnberg musste gepaart sein mit einem breiten Spektrum von Nachhaltigkeitskriterien.
Sie orientieren auf die Einhaltung von Sozialstandards am heimischen Standort wie auch in anderen Ländern, insbesondere der Dritten Welt, ebenso wie auf Gleichstellung, Klima- und Ressourcenschutz und die Förderung sozialer und kultureller Projekte bzw. Beteiligungen an Netzwerken in der Region.

Sinn des Preises ist es, die Zukunftsfähigkeit der Firmen zu unterstützen.

  

Nachhaltigkeits-Pionier aus Tradition
Wo zukunftsorientiertes Handeln kein Luxus ist, sondern sich auch rechnet
(Interview mit A.W. Graf von Faber-Castell, Faber-Castell AG)

Ursula Heller (Bayerischer Rundfunk) im Gespräch mit A. W. Graf von Faber-Castell Fabersche Errungenschaften galten schon zu Zeiten Napoleon des Dritten als revolutionär.
Nun hat Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, auch "Bleistift-Graf" genannt, für sein Unternehmen den Nachhaltigkeitspreis erhalten.

Wir sprachen mit ihm:

Herzlichen Glückwunsch, Herr Graf:
Die Vorreiterrolle von Faber-Castell wurde mit dem ersten Nachhaltigkeitspreis der Stadt Nürnberg anerkannt! Doch sicherlich waren es nicht die Lorbeeren, die Sie zum Nachhaltigkeits-Pionier werden ließen?

Ich fühle mich einem Engagement verpflichtet, dessen Wurzeln bis zu meinem Ururgroßvater Lothar von Faber zurückreichen. Schon er war in jeder Beziehung ein Vorreiter seiner Zeit:

So gründete er beispielsweise die erste Betriebskrankenkasse in Deutschland. Seine vorbildliche soziale Verantwortung gegenüber seinen Arbeitern war europaweit so bekannt, dass Napoleon der Dritte bereits eine Delegation nach Stein schickte, um die Faberschen Errungenschaften in Erfahrung zu bringen.
Heute gilt in allen unseren Werken eine Sozialcharta, die wir im Jahr 2000 gemeinsam mit der IG Metall unterzeichneten. Sie verbietet Diskriminierung, Kinder- und Zwangsarbeit, überlange Arbeitszeiten und garantiert Chancengleichheit, Versammlungsfreiheit und vieles mehr. Kurz, sie entspricht dem von der Internationalen Arbeitsorganisation empfohlenen Verhaltenskodex für Unternehmen.
Die Umsetzung der Sozialcharta bringt uns mittelfristig Vorteile: Die Mitarbeiter danken uns mit einer hohen Loyalität und Motivation, weltweiter Solidarität und letztlich mit steigender Produktivität.

Stichwort Unternehmens-Vorteile: Viele Firmen halten nachhaltiges Wirtschaften für einen Luxus, den sie sich nicht leisten können!
In der Tat ist Nachhaltigkeit ein Trendwort geworden. Viele schreiben es sich gern auf die Fahnen, weil es so schön nach Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung klingt. Andere, vor allem Mittelständler, schrecken aus Kostengründen zurück. Dabei beinhaltet die Definition der Nachhaltigkeit gerade die Symbiose aus Ökologie, Ökonomie und sozialem Bewusststein. Oder, um einen Kollegen vom World Business Council for Sustainable Development zu zitieren:
"Nachhaltige Entwicklung bedeutet nicht mehr als langfristig profitable Unternehmensführung".

Wie zeigt sich das in Ihrer Praxis?
Anfang der 80er Jahre plagte Faber-Castell die starke Abhängigkeit von Holzulieferern und gleichzeitig deren unzureichende Holzqualität. Außerdem hegten wir ökologische Bedenken gegen die damals verwendeten Hölzer für hochwertige Stifte.
Faber-Castell nahm also sein eigenes Aufforstungsprojekt in Angriff, das sich heute auf 10 000 Hektar in Brasilien erstreckt. Es sind Pinienwälder, die ständig neu aufgeforstet werden.
Von internationalen Umweltverbänden wurden sie als "umweltgerecht, sozial verträglich und wirtschaftlich nachhaltig" ausgezeichnet.
Faber-Castell lässt in Brasilien in jeder Minute jeder Stunde 20 Kubikmeter Holz wachsen. Das reicht nicht nur für unsere Bleistiftproduktion, der Rohstoff wird auch an Drittunternehmen veräußert.
Mit anderen Worten: Bereits in den 80er Jahren haben wir eine nachhaltige Entwicklung eingeleitet, die sehr wohl auf ökonomischen Überlegungen basierte und der wir unsere heutige ökologische Spitzenposition in der Branche verdanken.

Ein zweites Beispiel: Anfang der 90er Jahre entscheid sich das Unternehmen als erstes und bis heute einziges der Branche für die Produktionsumstellung von Aceton- auf umweltschonenden Wasserlack. Dadurch erreichten wir nicht nur eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sprich eine geringere Geruchsbelastung am Arbeitsplatz, sondern auch eine unproblematische und kostengünstigere Entsorgung der Lackabfälle.

Fühlen Sie sich mitunter als Einzelkämpfer?
Nachhaltigkeit ist heute längst nicht mehr nur der Wunsch einiger Umweltfreaks.
Ich verstehe sie in erster Linie als gesellschaftliche Verantwortung, der sich die Marktwirtschaft in Deutschland zu stellen hat. Die Anstrengungen der Wirtschaft müssen aber von der Politik flankiert werden.
Der Global Compact der UN, dem Faber-Castell in Kürze beitritt, ist sicher ein erster Schritt für eine effiziente Zusammenarbeit.
Wünschenswert wären jedoch noch mehr unternehmerische Anreize, besonders für den Mittelstand. Erst wenn alle Stakeholder am selben Strang ziehen, können wir uns den Herausforderungen der Globalisierung erfolgreich stellen.

Schon gewusst?

  • Faber-Castell ist eines der ältesten Industrieunternehmen Deutschlands. Als kleine Schreinerwerkstatt 1761 von Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg gegründet, entwickelte es sich zu einer internationalen Unternehmensgruppe, die heute an 15 Firmenstandorten weltweit produziert und etwa 6000 Mitarbeiter beschäftigt.
    Die Faber-Castell AG ist in ca. 120 Ländern der Erde vertreten und weltgrößter Bleistift- und Bundstiftproduzent

  • 1,8 Mrd. Blei- und Farbstifte werden jährlich hergestellt, das Sortiment umfasst mehr als 1800 Produktvarianten

  • täglich werden rund 700 Kubikmeter aufgeforstete Pinien-Holzstämme im brasilianischen Werk verarbeitet, um daraus mehr als 6 Mio. Blei- und Buntstifte herzustellen

   

Wegbereiter - Ehrenurkundenträger - kurz und bündig

"Die Möbelmacher" (www.die-moebelmacher.de)
Junges Unternehmen baut mit und aufs Holz aus der Region

Preisübergabe durch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (links) an Herwig Danzer (Die Möbelmacher) Das noch recht junge Unternehmen mit Sitz in Unterkrumbach nahe Hersbruck zählt heute 20 Beschäftigte und wurde im Jahr 1988 gegründet.
Es produziert hochwertige Möbel und bietet alles rund ums Einrichten.
Als weltweit erster Betrieb führten "Die Möbelmacher" bei COUP21 das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) nach dem Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz ein
.

Ökologisch orientiert:

Mindestens 95, meist jedoch 100 Prozent des Holzbedarfes sowohl für die Produktherstellung als auch bei eigenen Baumaßnahmen - Beispiel: "regionales Musterhaus" - decken "Die Möbelmacher" bei den Waldbauern oder den Forstwirtschaftsbetrieben in der Region. Gemeinsam mit dem Bund Naturschutz wird die Verwendung von Rotkerniger Buche gefördert.

Sozial engagiert:

Für familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung mit der 4-Tage-Woche gab es 2002 im Wettbewerb "Der familienfreundliche Betrieb" eine Auszeichnung. 
Und: 
Die bei 45 Prozent liegende weibliche Ausbildungsquote ist die höchste der Schreinerinnung!

  

"Neumarkter Lammsbräu" (www.lammsbraeu.de)
Traditionsreiche Firma setzt für süffige Bierspezialitäten voll auf ökologischen Landbau

Interview mit Dr. Franz Ehrnsperger (Neumarkter Lammsbräu) - Preisträger des Nürnberger Nachhaltigkeitspreises Das bereits 1628 gegründete Unternehmen mit Sitz in der Oberpfalz zählt derzeit 85 Beschäftigte. Die Bierspezialitäten stammen zu 100 Prozent aus ökologischem Landbau, des weiteren werden ökologische Säfte und alkoholfreie Getränke produziert.

Ebenso wie "Die Möbelmacher" erwies sich die "Neumarkter Lammsbräu" als Pionierunternehmen bei COUP21 und dem EFQM-Modell.

Ökologisch orientiert:

Die konsequente Ausrichtung auf ökologische Rohstoffe, Prozesse und Produkte geht einher mit der umfassenden Prüfung der Umweltauswirkungen sämtlicher Stoffe und Produkte der Vor- und Nachstufen. Gearbeitet wird nach einem integriertem Managementsystem für Umweltschutz, Qualität und Arbeitssicherheit. Das Öko-Pionierunternehmen eroberte den Umweltpreis 2001!

Sozial engagiert:

Dank der festgeschriebenen "Werte für Geschäftsbeziehungen" gab es 2002 den Förderpreis "Soziale Verantwortung des Mittelstandes". Die "Neumarkter Lammsbräu" engagiert sich für soziale und kulturelle Projekte wie z.B. den Verein "Die Brücke". Das Ziel besteht darin, schwer vermittelbare Menschen ins Arbeitsleben zurückzuholen.

 

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